Carolinensiel – die Geschichte

Ein Ort, der nie als das geplant war, was er nun ist.

Der Hafen von Carolinensiel wurde im Jahre 1729/30 unter der Herrschaft von Fürst Georg-Albrecht von Ostfriesland erbaut und nach seiner Frau Carolina Carolinensiel genannt. Damals waren Sielhäfen als Stützpunkte für die Watten- und Segelschifffahrt an der Nordseeküste von großer Bedeutung. Bereits im Januar 1730 rief Fürst Georg-Albrecht von Ostfriesland zur Besiedlung des neugeschaffenen Hafens auf, wobei er die Menschen aus dem umliegenden Harlingerland mit Steuerfreiheit von 10 Jahren und freiem Land lockte. Schon einen Monat später trafen die ersten Siedler, vorwiegend Schiffer, Fischer und Brauer, in ihrer neuen Heimat ein, welche sie nach dem Prinzip der Erbpacht erwarben.

Bis zum Jahre 1758 hatte sich Carolinensiel mit mittlerweile 204 Einwohnern, neben Emden, zu einem der wichtigsten Häfen an der gesamten Nordseeküste entwickelt. 15 Jahre später wurde dann die erste Deichmühle erbaut, die noch lange ein bedeutendes Landmark darstellen sollte. Weitere 20 Jahre später, nämlich 1793, hatte sich Carolinensiel bereits prächtig entwickelt. Mittlerweile war die Einwohnerzahl auf 800 angestiegen. Es hatten sich drei Reedereien angesiedelt und durch die ausgezeichnete Anbindung an Wangerooge begann schon der erste Tourismus.

Allerdings verlor der Sielhafen in Carolinensiel mit der Zeit und dem technischen Fortschritt immer mehr an Bedeutung. Die Schiffe wurden immer größer und so konnte der tideabhängige Sielhafen nicht mehr den nötigen Tiefgang bieten.

Doch auch von Kriegen blieb Carolinensiel keineswegs verschont. Im Jahre 1806 besetzten die Franzosen das Gebiet und lösten durch ihren erbitterten Kampf gegen die Briten eine Wirtschaftsblockade aus. Der Handel mit England war strengstens verboten und die Ostfriesen bangten um ihren Tee. Doch heute wie früher setzten die Ostfriesen alles daran und schmuggelten Tee über Helgoland – ein sehr gefährliches Unterfangen, denn Schmuggel galt als Hochverrat und wurde nicht selten mit dem Tode bestraft.

Im Jahre 1813 wurde diese Blockade aufgehoben und Carolinensiel fiel fortan unter die Herrschaft des Hauses Hannover. Dennoch blieben wirtschaftliche Fördermittel aus und so konnten fast nur Kaufleute und Fischer ein profitables Einkommen vorweisen.

Ab dem Jahre 1853 fing das Geld jedoch wieder an in die Carolinensieler Kassen zu fließen. Als die Briten und Franzosen im Krimkrieg gegen Russland kämpften, verdienten unsere Schiffer und Kaufleute viel Geld mit dem Handel in Krisengebieten.

Trotz allen Bemühungen drohte dem schönen Sielhafen ab 1870 endgültig das Aus. Durch den Bau von großen Dampfschiffen und der Verlagerung des Transportverkehrs auf Schienen, büßte Carolinensiel erneut an Bedeutung ein, behielt dennoch seine Funktion als Hafen zum Transport für vorwiegend landwirtschaftliche Produkte und in Verbindung mit Harlesiel auch als Fischereihafen. So kamen laut Statistik 1817 ca. 91 Schiffe in den Hafen, die größtenteils norwegisches Holz geladen hatten.

Seit 1983 ist Carolinensiel staatlich anerkanntes Nordseebad und 2005 feierten wir unser 275-jähriges Jubiläum.

Heute ist Carolinensiel touristisch voll erschlossen und ein idealer Ort, um einen entspannten Urlaub mit historischem Hafenflair zu verbringen.